60 Spielcasino Hefte. Ein Rückblick
Unser 1. Spielcasino-Heft erschien im November 1979. Die Idee dazu, eine Schüler-Spiel-Zeitung an der Adolf-Reichwein-Schule herauszugeben, war ein dreiviertel Jahr zuvor auf der Nürnberger Spielwarenmesse geboren. Dort berichtete der Lehrer und Spielekritiker Helge Andersen von seiner Zeitung, die unter dem Titel „Spiel mit“ an der Schule Engelsby in Flensburg erschien. Diese „erste deutsche Spielezeitschrift an Schulen“ änderte ihren Namen später in „Würfel & Co.“ und wurde 1989 eingestellt.
Die Arbeitsgemeinschaft „Spiele und Spielzeitung“, bestehend aus Schülerinnen und Schülern der 7. bis 10. Klassen unserer Schule, erarbeitete das erste Heft. Auf den 24 DIN A4 Seiten gab es einige Rubriken, die auch in den nachfolgenden Heften einen festen Platz einnahmen. So stellte der Leiter der Schule, Ernst Röckemann, sein Lieblingsspiel „Skat“ in Reimform vor, Spiel-Kritiken der Schüler, selbst entworfene Kreuzworträtsel, Bastelvorschläge, das Suchworte-Spiel, Tipps für den Weihnachtswunschzettel (Dyade, egghead, Hase und Igel, Tower, ultra, Der verflixte Turm, Vier gewinnt), Buchtipps und ein Lösungsblatt komplettierten das Heft. Acht Seiten schrieben die Schüler per Hand, der Rest wurde mit der Schreibmaschine auf Druckvorlagen aus Wachs geschrieben. Den Druck übernahm die Sennestädter Verwaltung.
Der Preis des Heftes 50 Pfennig für Schüler, 1 DM für Erwachsene, blieb in den ersten 23 Jahren unverändert.
Die weiteren Spielcasino-Hefte erschienen im Abstand von drei bis sechs Monaten, es gab also zwei bis vier Ausgaben pro Jahr.
Die 28 Seiten von Heft Nr. 2 wurden bereits in unserer Schule gedruckt. Hier erschien erstmals (und das ist bis heute in jedem Heft so geblieben) unter der Überschrift „Titel-Tüfteleien“ die Aufforderung, zu einem Witz oder einer Karikatur einen neuen Untertitel zu finden. In diesem Heft startete auch die erste Spiel-Meisterschaft. Für jede richtig eingesandte Lösung zu einem Rätsel und für jedes gewonnene Spiel bei einem Turnier in der Mittagspause gab es Punkte zu gewinnen. So wurde in Heft Nr. 5 Uwe Beul aus der 9c als Schul-Meister ausgezeichnet. Er gewann 922 Punkte und war damit der beste der 125 (!) Teilnehmer.
Auf dem Titelblatt zu Heft Nr. 3 war erstmals ein (mit Letraset-Buchstaben) gedruckter Name zu sehen. Das Heft erschien dank der Initiative des Kollegen Wolfgang Aßhauer auch an der Comenius-Schule in Bielefeld-Sennestadt. In dem Heft begann der Spiel-Städte-Wettbewerb zwischen Bielefeld und Flensburg, der aber nur bis Heft Nr. 6 andauerte und von den Flensburgern mit 3 : 1 gewonnen wurde. Als besonderes „Bonbon“ klebten wir in jedes Heft ein Zauberbild (ASS) ein. Ab Heft Nr. 3 wuchs die Seitenzahl auf 30.
In Heft Nr. 4 begann schon die Spiel-Meisterschaft 1980/81, obwohl die 1980er noch gar nicht entschieden war. Die Redaktion hatte sich entschlossen, die Meisterschaft schuljahrsweise auszutragen.
In Heft Nr. 5 begann unsere Serie mit „Gastkommentaren“ bekannter Spielekritiker. Dr. Bernward Thole machte den Anfang und stellte das Spiel „Alaska“ (Otto Maier Verlag) vor. Seinen Kommentar hatten wir im „Bosch-Zünder“ gefunden. In dem Heft war auch ein Aufruf, interessante Angebote für eine neue Fernsehsendung Namens „Wetten, dass...“ einzusenden.
Heft Nr. 6 stellte erstmals ein Spiel unseres Herausgebers vor: „das No-Spiel“ aus dem Heidmük-Verlag, Bremen. Außerdem gab es die Ergebnisse unserer Befragung zur Wahl des „Goldenen Pöppel 1980“ in Knut-Michael Wolfs „Pöppel-Revue“. Und auch die Type des Titels war neu, sie ist bis heute so geblieben.
In Heft Nr. 7 wurde erstmals die Auflagenhöhe abgedruckt: 400 Exemplare wurde gedruckt. Jetzt konnten auch Abonnenten das Heft per Post beziehen. Insgesamt 90 Abonnenten gab es in den vergangenen Jahren. Heute erhalten ca. 20 Abonnenten im ganzen Bundesgebiet ihr Heft per Post. Als „Leser vor Ort“ gewannen wir die Schüler der Brüder-Grimm-Schule und der Theodor-Heuss-Schule. Beide Schulen vertreiben auch heute noch unsere Zeitung. Jedes Exemplar dieser Ausgabe enthielt einen kleinen Aufkleber (Pelikan) und einen Bestellcoupon auf die neue Spielzeitung aus dem Courir-Verlag Namens „Spiel Box“.
Für die Spiel Box warb auch die erste ganzseitige Anzeige in Heft Nr. 10.
Ab Heft Nr. 11 erschien Spielcasino auch an der Vennhof-Schule in Bielefeld-Sennestadt.
Im Juni 1983 erschien ein „Spielcasino Extra“ mit 13 neuen Spielen der AG „Spiele selbst erfinden“.
Heft Nr. 13 bot gleich zwei eingeklebte Besonderheiten, einen Can’t Stop Aufkleber (Parker) und ein Zauberbild (ASS).
Ganz merkwürdig war Heft Nr. 16, hier wurde kein einziges Spiel vorgestellt, sondern alle Aufgaben und Hinweise bezogen sich nur auf Spielbücher. Gemerkt hat das keiner.
In Heft Nr. 17 wurde erstmals für den Spielcasino-Aufkleber geworben. Er zeigt das Männchen von Seite 2, dass ab Heft Nr. 3 in die aktuelle Ausgabe einführt. Auch im Druck unterschied sich das Heft deutlich von seinen Vorgängern, unser Herausgeber hatte sich eine Speicherschreibmaschine mit unterschiedlichen Typenrädern angeschafft. Manche Texte erschienen jetzt im Blocksatz.
Heft Nr. 18 wurde erstmals nicht geheftet, sondern auf der schuleigenen Vorrichtung „gelumbeckt“. Spielcasino wurde über die Grenzen Bielefelds hinaus bekannter. Engagierte Kolleg/innen vertrieben es an der Albert-Schweitzer-Schule in Lage.
Wegen Umbauarbeiten in der Adolf-Reichwein-Schule übernahm ab Heft Nr. 18 ein kommerzieller Betrieb den Druck unseres Heftes.
Die größte optische Veränderung geschah mit Heft Nr. 19. Spielcasino bekam einen farbigen Umschlag, wurde erstmals im DIN A5 Format gedruckt und auf 32 Seiten erweitert. Zusammengelegt und geheftet wurde das Heft aber weiterhin in der Schule. Grund für die Umstellung waren die eingesparten Druck- und Papierkosten. Aber auch die Gestaltung wurde professioneller. Die Lösungsseite zu unseren Rätseln und Spielaufgaben „wanderte“ von der letzten Seite in die Heftmitte. Die Auflage war auf 700 Exemplare gewachsen und musste im Nachdruck noch einmal um 150 erhöht werden!
Heft Nr. 20 erschien in einer Auflage von 1000 Stück. In dieser Ausgabe erschienen erstmals auch kommerzielle Anzeigen und der Hinweis auf eine Anzeigenliste (1/86). Die Anzeigenlisten 2/93, 3/96 und 4/02 folgten, die Preise sanken.
Ab Heft Nr. 21 begann die Zusammenarbeit mit Peter Neugebauer, der Spielcasino zunächst am Carl-Humann-Gymnasium in Essen verbreitete und es dann bei seinem Schulwechsel mitnahm zum Gymnasium Borbeck. Dieses Heft wurde von ganz wenigen Schülern mitgestaltet, das Impressum nennt nur vier Namen. Im Heft erschien die erste Anzeige unserer Schülerfirma „SiS - Spielversand in Schülerhand“, die uns seitdem regelmäßig unterstützt.
Heft Nr. 25 stellte ein Computerprogramm vor, dass Sebastian Lang geschrieben hatte, um unser Suchworte-Spiel effektiver zu lösen.
In Heft Nr. 27 gab es erstmals das Suchworte-Spiel in polnisch, später gab es auch schon mal eine dänische, französische, spanische oder türkische Seite. Außerdem begannen Schüler des Carl-Humann-Gymnasiums in Essen mit Spielvorstellungen („Das haben wir am CHG gespielt“).
In Heft Nr. 30 lag erstmals als Beilage ein Firmenprospekt.
Ab Heft Nr. 32 wurden alle Ausgaben auf Recyclingpapier gedruckt. Was uns damals merkwürdig vorkam, ist heute völlig normal. Als später aus Versehen Heft Nr. 40 wieder auf weißem Papier gedruckt wurde, empfanden wir das als fremdartig. In diesem Heft startete unter der Überschrift „Flohmarkt“ auch unsere Verschenkaktionen gebrauchter Spiele. Auf Seite 26, der 1000. Spielcasino-Seite insgesamt, klebten wir Lose. Echte Teiler von 1000 gewannen ein Spiel. Die Aktion wurde in Heft 36 auf der 1111. Seite erfolgreich wiederholt.
Die Zusammenarbeit mit Wieland Herold und dem Hainberg-Gymnasium in Göttingen begann mit Heft Nr. 32. Auch er nahm bei seinem Schulwechsel Spielcasino mit zum Neuen Gymnasium in Oldenburg.
In Heft Nr. 33 begann unter der Überschrift „Spielraum“ eine neue Serie. Spielautoren stellen ein eigenes Spiel vor. Hajo Bücken begann mit seinem Spiel „Coco Crazy“.
Ab Heft Nr. 35 drucken wir die Lösungsseite in der Heftmitte auf farbiges Papier, schließlich wollen wir eine möglichst hohe Beteiligung an unseren Rätseln und Spielaufgaben erreichen. Die Preise, Spiele und Spielbücher, kaufen wir vom Erlös der Hefte. Spenden einzelner Hersteller und des Fördervereins der Adolf-Reichwein-Schule unterstützen dies.
In Heft Nr. 38 gab es als Sonderaktion 30 Videospiele („Dunkle Schatten“; hrsg. vom Bundesministerium des Innern) zu gewinnen. Diese Aktion wurde in Nr. 41 (40 x „Hilfe für Amajambere“; hrsg. vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und Nr. .42 (30 x „Let’s talk about“; hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung) wiederholt.
In jedem vierten Heft der Ausgabe Nr. 40 lag ein POG, die Spielscheibe (Schmidt-Spiele) für die Pause.
Auch Heft Nr. 41 brachte eine Neuerung. Die Idee zum Spiel „SC-Zahl“ übernahmen wir aus dem österreichischen Spielemagazin „WIN“.
Ab Heft Nr. 43 stellten wir bereits im Mai 1997 uns und unsere Leser/innen auf die neue Rechtschreibung ein.
Seit Heft Nr. 44 liegt regelmäßig die Übersicht der „Spiele des Jahres“ als Beilage im Heft.
In Heft Nr. 48 veröffentlichten wir zum ersten Mal einen Gastkommentar von Stefan Ducksch, auf dessen Unterstützung wir uns immer wieder verlassen konnten.
Mit dem Heft Nr. 53 stellten wir uns auf den Euro ein und wurden preiswerter! Ein Heft kostet nun 0,20 € für Schüler/innen und 0,50 € für Erwachsene.
In Heft Nr. 54 erschien der erste (und bisher einzige) Bericht unseres Südeuropakorrespondenten. Christian Beiersdorf besuchte in unserem Auftrag die Firma Plastwood auf Sardinien.
Mit Heft Nr. 58 wurde die Seitenzahl der Spielcasino-Ausgabe auch schon mal auf 28 Seiten gesenkt.
Seit Heft Nr. 59 erscheint Spielcasino auch an der Hauptschule Aspe in Bad Salzuflen.
Einschließlich Heft Nr. 60 wurden in den 27 Jahren 1.890 Spielcasino-Seiten fertig gestellt. Die Gesamtauflage liegt jetzt bei 35.450 Exemplaren und über 1,1 Millionen gedruckten Seiten. Daran mitgearbeitet haben 350 Schüler/innen und viele Gastautoren (Lehrer/innen, Kritiker/innen, Autor/innen).
An den 26 Spielmeisterschaften nahmen insgesamt 1.276 Schüler/innen und Lehrer/innen aus 469 Schulen teil. Zusammen erreichten sie 687.141 Punkte. Die „ewige“ Bestenlisten führen mit 9.202 Punkten Heiko R. Lang (Erwachsenenwertung) und mit 7.694 Punkten Christian Aßhauer (Schülerwertung) an.
Ganz sicher ist, dass es unsere Schüler-Spielzeitung ohne die Unterstützung durch Spielhersteller und Verlage (Belegexemplare, Preise) nicht geben würde. Bei den Verlagen und Werbekunden bedanken wir uns herzlich für die Unterstützung.
Dirk Hanneforth
Seite zuletzt geändert am: 30.06.2010, 23:02 von Administrator
