Projekte: Mathematik IM Betrieb
Der Ganztagsbetrieb der Johannes-Rau-Schule begann 1970. Unsere Schule ist damit die zweitälteste Ganztagshauptschule in NRW.
Die Vorzüge einer Ganztagsschule – mehr Lehrkräfte, mehr Stunden, fast keine Hausaufgaben, kleinere Lerngruppen, Fördermaßnahmen, Mittagessen in der Schule, längere Kontaktzeiten für Kinder und Pädagogen, Freizeitangebote – griffen von Anfang an und zeigten Wirkung.
Besonderen Wert legt die Schule auf die Vorbereitung auf das Berufsleben. Im Schulprogramm heißt es dazu: „Die Berufswahlorientierung führt die Schüler/innen zu selbstständigen Entscheidungen und regt sie zu selbstverantwortlichem Handeln an.“
Ein Element der Berufswahlorientierung ist die Kooperation der Schule mit der Reinhard Tweer GmbH, einer ortsansässigen Gießerei. Diese Kooperation wurde auf Vermittlung der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld im Rahmen des Programms „Schule – Wirtschaft“ im September 2007 beschlossen. Fest vereinbart sind darin u.a. Betriebsbesichtigungen und Hilfen beim Bewerbungstraining.
Im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts der 10. Klassen entstand im Schuljahr 2007/08 die Idee zu einer Betriebsbesichtigung mit „mathematischer Brille“.
Zunächst informierten sich die 13 Schülerinnen und Schüler des Kurses auf der Homepage (www.tweer.de) über den Partnerbetrieb der Schule. Hilfreich war dabei die Tatsache, dass ein Schüler genauer über die Arbeit in der Gießerei berichten konnte, da er hier sein dreiwöchiges Betriebspraktikum absolviert hatte.

Danach wurde überlegt, an welchen Stellen im Betrieb mathematische Probleme auftauchen könnten. Schnell wurden dabei Aufgaben zur Volumenberechnung von Gussteilen genannt. Mathematische Aufgabenstellungen sahen die Schülerinnen und Schüler aber auch in den Bereichen Kalkulation und Finanzen.
Nach diesen Vorüberlegungen besuchten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Exkursion die Gießerei und trugen dabei besagte „mathematische Brille“. Es ging also nicht nur um die Erkundung des Betriebs, sondern immer wieder auch um die Fragestellung, wo Mathematik im Betrieb eine Rolle spielt.
Bevor es zur Betriebsbesichtigung kam, mussten die Schülerinnen und Schüler unter Anleitung des Tweer-Mitarbeiters Volker Rüther das Volumen eines Planetenträgers bestimmen. Dazu wurde der Planetenträger zunächst an Ort und Stelle vermessen. Dann mussten die Maße in eine vorbereitete Zeichnung des Werkstücks übertragen werden, um Volumen und Gewicht berechnen zu können.
Beim anschließenden Gang durch den Betrieb konnten die Schülerinnen und Schüler auch die Angaben erfragen, die sie für die Erstellung der eigenen Arbeitsblätter benötigten.
Im Unterricht wurden die eigenen Aufgaben durch die neuen Vorgaben und Daten ergänzt. Die Arbeitsblätter erstellten und gestalteten die Schülerinnen und Schüler dann im Computerraum der Schule. Auf einem Extrablatt mussten die Lösungswege und Lösungen der eigenen Aufgaben festgehalten werden. Bei der Fertigstellung der Arbeitsblätter wurden einige Wissenslücken deutlich, so dass immer mal wieder in der Gießerei nachgefragt werden musste.
In einer Kontrollphase wurden alle Aufgabenblätter der Firma vorgelegt. Bei diesem Kontakt konnten letzte Fehler und Unstimmigkeiten beseitigt werden.
Die fertigen Arbeitsblätter werden den Mathematiklehrerinnen und –lehrern der Schule zur Verfügung gestellt. Sie sollen von ihnen in den „normalen“ Mathematikunterricht eingesetzt werden, um früh ein Verständnis für mathematische Problemstellungen in Betrieben zu wecken.
Geplant ist eine Fortsetzung des Projektes, um verstärkt auch Aufgaben für jüngere Schülerinnen und Schüler zu erstellen.

Das gewonnene Preisgeld wurde im Schuljahr 2008/09 für die Verwirklichung eines weiteren Projekts eingesetzt: entwickelt wurde ein mathematischer Führer durch den Bielefelder Stadtbezirk Sennestadt.
Auch die Presse berichtete über das Projekt: Reichwein-Schule ausgezeichnet. Prämie bei Mathematik-Wettbewerb gewonnen (Neue Westfälische, 05.07.2008).
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